“Hoheit, meine Hemden passen!” Fred Perry

Zu den klassischen britischen Sportarten gehören Tennis, Golf, Rugby und Cricket sowie das in den arabischen Ländern entdeckte und bald zum Nationalsport der Oberklasse avancierte Polo. Ebenso großer Beliebtheit erfreuen sich Snooker und Darts. Natürlich ist England aber zuallererst das Mutterland des Fußballs. Sport nimmt einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens der Insel ein, das blieb natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Mode.

Gemeinsam haben all diese Sportarten vor allem eins: Ein Kleidungsstück – das Polohemd. Die originären Polohemden werden aus luftig gewebtem Baumwoll-Pikee gefertigt. Das Rugbyhemd, welches im Schnitt dem Polohemd sehr ähnelt, wird heute wegen der hohen Belastungen die es aushalten muss, aus reißfestem Baumwoll-Jersey gefertigt.

Erfunden wurde das Polo zwar von einem französischen Tennisspieler, Réne Lacoste, seinen Durchbruch feierte es mit Hilfe des englischen Tischtennisweltmeisters und mehrfachen Wimbledon Siegers Fred Perry. Dieser fand die grünen Armeehemden die ui dieser Zeit noch auf Wimbledons Courts getragen wurden so schrecklich, dass er 1947 tatsächlich 75 weiße Polohemden anfertigen ließ und diese den anderen Spielern schenkte. Diese brachten ihm zu Ehren den Lorbeerkranz auf das Shirt, das zum Markenzeichen des Perry-Polos wurde und bis heute ist. Weiß wurde in der Folge zudem die Farbe des Tennissports.

Der Sportler entstammte der Arbeiterschicht und wurde durch sein Sieg in Wimbledon zum Vorbild seiner Klasse. Zwar wurde Ihm damals die Siegerehrung verweigert, heute ehrt ihn das snobistische Traditionsturnier immerhin mit einem Denkmal.

Das Poloshirt wurde in den 1960er Jahren zu einem Trend der Mods, und später leider auch der Skinheads. Beides waren Bewegungen der Arbeiterklasse. Die heutigen Neonazis kopierten ihren Stil und werden deshalb fälschlicherweise als Skinheads bezeichnet. Die Firma Fred Perry distanziert sich allerdings ausdrücklich vom Rassismus des Rechtsradikalen.

Vom Kleidungsstück der Arbeiterklasse wurde das Polohemd schnell auch zum Outfit der elitären Gesellschaft. Designer von Tommy Hilfiger bis Ralph Lauren nahmen es in Ihre Kollektionen auf. Gerne wurde es als Hemd-Ersatz zum Anzug getragen. So galt es bald als spießig, ein Polohemd im Schrank zu haben. Dies hat sich allerdings wieder geändert. Heute wird das Polohemd wieder gerne auf der Straße getragen, zum Skaten, als Freizeithemd, als Szenehemd als Trendteil und natürlich beim Sport. Ab und zu sieht man es auch mit einem Anzug kombiniert. Kaum ein Kleidungsstück hat so erfolgreich alle Schichten der Gesellschaft erobert und erfreut sich nach so vielen Jahren noch einer so großen Verbreitung. Vom Politikum wurde es wieder das, wofür es einmal gedacht war. Es ist ein schickes, bequemes Kleidungsstück, das in Sport und Freizeit zuhause ist, durch seine königliche Absegnung aber auch im Büro eine gute, weil sportlich-elegante Figur macht. Und inzwischen gilt dies auch geschlechterübergreifend.